Börsenstrategie

Zeitwert bei Optionsscheinen

Mit dem Zeitwert eines Optionsscheins setzen wir heute die Betrachtung von verschiedenen Begriffen aus der Welt der Optionsscheine und Knock Outs fort, die wir mit den Beiträgen zu Spreads und innerem Wert eines Optionsscheins begonnen hatten.

Wir erinnern uns: Der innere Wert eines Optionsscheins entspricht der Differenz zwischen dem aktuellen Börsenkurs der Aktie, auf die wir einen Optionsschein halten, und dem Basispreis des Optionsscheins. Mit anderen Worten: Er ist der Betrag, den Sie gutgeschrieben bekommen würden, wenn der Optionsschein jetzt verfallen würde. Ist der aktuelle Aktienkurs mit dem Basispreis identisch oder liegt sogar darunter, dann ist der innere Wert bei Null. Dennoch sind solche Optionsscheine natürlich nicht wertlos und schon gar nicht fast gratis zu bekommen. Dies liegt am Zeitwert. Er entspricht der Differenz zwischen dem aktuellen Preis des Optionsscheins und dem inneren Wert und ist somit ein wichtiger Faktor für die Preisbildung eines Optionsscheins.

Gehen wir wie bei unserem Beispiel zum inneren Wert wieder von einem Henkel-Optionsschein mit Basis 90€ und einem Bezugsverhältnis von 1 aus. In der vergangenen Woche hat Henkel zu einem Kurs von ca. 93,50€ geschlossen. Der innere Wert beträgt also ca. 3,50€. Schauen wir uns an, was am Freitag zum Börsenschluss Henkel Optionsscheine gekostet hätten und behalten im Hinterkopf, dass der innere Wert bei jedem dieser Scheine mit 3,50€ identisch ist:

  • Fälligkeit im März 2016: ca. 5,00€ – bei einem inneren Wert von 3,50€ ist der Zeitwert also ca. 1,50€
  • Fälligkeit im Juni 2016: ca. 7,30€ – der Zeitwert beträgt somit ca. 3,80€
  • Fälligkeit im September 2016: ca. 9,00 € – es ergibt sich ein Zeitwert von 5,50€
  • Fälligkeit im Dezember 2016: ca. 10,30€ – der Zeitwert beträgt also ca. 6,80€

Der Zeitwert hat einen erheblichen Anteil am Preis von Optionsscheinen

Was erkennen wir aus dieser Zeitreihe? Zum einen, dass der Zeitwert einen nicht unerheblichen Anteil des Optionsschein-Preises ausmacht. In diesem Fall ist schon bei einer Fälligkeit im Juni 2016 der Zeitwert mit 3,80€ höher als der innere Wert mit 3,50€. Das ist natürlich von Optionsschein zu Optionsschein je nach Basis, Laufzeit und Volatilität des Basiswerts ganz unterschiedlich (zur impliziten Volatilität kommen wir in einer der nächsten Wochen noch).

Angenommen, der Aktienkurs würde sich nun über die Zeit überhaupt nicht mehr ändern, dann würde der innere Wert sich ebenfalls nicht mehr verändern. Dennoch würden natürlich ähnlich wie in unserer Zeitreihe der Dezember-Schein im Lauf der Zeit weniger wert werden: Der Zeitwert reduziert sich, wenn das Verfallsdatum näher rückt, es entsteht ein Zeitwertverlust.

Der Zeitwertverlust beschleunigt sich zum Ende der Laufzeit

Was wir ebenfalls noch erkennen: Der Zeitwertverlust beschleunigt sich zum Ende der Laufzeit hin. Während die Differenz des Zeitwert der beiden Scheine von September und Dezember gerade mal 1,30€ beträgt, ist es zwischen den Scheinen vom Juni und September schon 1,70€, zwischen März und Juni 2,30€ und beim März-Schein sind es 1,50€, die Sie aber in gerade mal gut zwei Wochen bis zum Verfall verlieren würden, wenn Henkel nicht weiter im Wert steigt (denn natürlich beträgt der Zeitwert am Verfallstag 0€). Dies liegt am höheren Risiko der Gegenpartei, dass der innere Wert in dieser kurzen Zeit noch stark ansteigt: Schon ab einem Kurs von 95€ zum Verfallstag wären Sie mit dem Schein dennoch im Gewinn.

Wovon wird der Zeitwert beeinflusst?

Wovon wird der Zeitwert also beeinflusst? Dies lässt sich leicht ableiten, wenn wir uns klar machen, dass die Stillhalter von Optionen und im übertragenen Sinn dann auch die Emittenten von Optionsscheinen sich über den Zeitwert das Risiko vergüten lassen, dass der innere Wert bis zur Abrechnung noch steigt und sie Ihnen so am Abrechnungstag einen höheren Preis als den aktuellen Wert zurückzahlen müssen, also einen Verlust machen.

  • Von der Restlaufzeit des Optionsscheins: Je länger der Schein läuft, desto höher ist der Zeitwert, da mit steigender Laufzeit auch das Risiko der Stillhalter steigt, dass der innere Wert des Scheins noch anwächst. Es ist ja klar: Dass Henkel beispielsweise bis Dezember 2016 noch um 10% im Kurs steigt, ist wesentlich wahrscheinlicher als bis Mitte März 2016.
  • Von der Volatilität des Basiswerts: Je schwankungsfreudiger eine Aktie ist, desto größer ist wiederum für den Stillhalter das Risiko, dass sich der Schein für ihn ungünstig entwickelt und der innere Wert steigt. Eine Aktie, die gerne mal innerhalb weniger Tage um 10% im Kurs nach oben oder unten springt, ist für die Stillhalter wesentlich unkalkulierbarer als eine Aktie, die ganz langsam und gemächlich steigt oder fällt.
  • Vom aktuellen Kurs des Basiswerts im Vergleich zum Basispreis: Je näher der aktuelle Aktienkurs am Basispreis des Scheins ist, desto höher ist der Zeitwert, da es in diesem Bereich für die Stillhalter am wenigsten kalkulierbar ist, ob der Schein noch in den Gewinn läuft oder nicht und der innere Wert sich in diesem Bereich sehr schnell von 0€ nach oben entwickeln kann.

Darüber hinaus spielen noch Finanzierungskosten und Dividende des Basiswerts eine kleine Rolle.

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