Innerer Wert von Optionsscheinen

Innerer Wert von Optionsscheinen

Der innere Wert eines Optionsscheins ist eine von zwei Komponenten, die den aktuellen Preis des Optionsscheins bestimmen. Die andere Komponente, den Zeitwert, betrachten wir noch näher.

Wie berechnet sich der innere Wert eines Optionsscheins?

Die Berechnung des inneren Werts eines Optionsscheins ist im Gegensatz zum Zeitwert sehr einfach und eindeutig zu bestimmen. Der innere Wert entspricht dem Betrag, den Sie bekommen würden, wenn der Optionsschein jetzt fällig wäre und abgerechnet würde. Es ist der aktuelle Aktienkurs des Basiswerts abzüglich Basispreis. Hat der Optionsschein ein von 1 abweichendes Bezugsverhältnis, dann müssen Sie den so ermittelten Wert noch mit dem Bezugsverhältnis multiplizieren. Bei ausländischen Aktien fällt schließlich noch die Währungsumrechnung an.

Ein konkretes Beispiel aus unserem Depot: Unser gestern verkaufter Nike-Schein hatte einen Basispreis von $52,50 und ein Bezugsverhältnis von 0,2. Wenn die Nike-Aktie bei $60 steht, dann beträgt der innere Wert ($60-$52,50)*0,2=$1,50, das entspricht aktuell ca. 1,33€. Diesen Wert würden Sie pro Optionsschein gutgeschrieben bekommen, wenn Sie ihn bis zum Verfallstag am 16.6.2016 im Depot halten, die Nike-Aktie dann bei $60 steht und der Euro-Dollar-Kurs unverändert bleibt.

Weitere Beispiele für den inneren Wert eines Optionsscheins

Schauen wir uns ein weiteres Beispiel an, das auch sehr schön verdeutlicht, wodurch der Hebel eines Optionsscheins eigentlich zustande kommt. Der Einfachheit halber nehmen wir diesmal eine in Euro notierte Aktie, wie z.B. einen Henkel-Optionsschein mit Basis 90€ und einem Bezugsverhältnis von 1. Dies macht unsere Rechnung sehr einfach, denn Sie bekommen immer genau die Differenz zwischen dem Aktienkurs am Verfallstag und dem Basispreis.

1.) Steht die Henkel-Aktie am Abrechnungstag bei 91€, dann bekommen Sie 1€ gutgeschrieben

2.) Steht die Henkel-Aktie am Abrechnungstag  bei 100€, dann bekommen Sie 10€ gutgeschrieben

3.) Steht die Henkel-Aktie am Abrechnungstag bei 110€, dann bekommen Sie 20€ gutgeschrieben.

Und natürlich:

4.) Steht die Aktie am Abrechnungstag bei 90,00€ oder darunter, dann verfällt der Optionsschein wertlos.

Es ist offensichtlich, dass durch diese großen Unterschiede am Verfallstag ein Hebel auch schon während der Laufzeit des Optionsscheins entstehen muss. Im Fall 2 steht die Aktie nur etwa 10% höher als im Fall 1, dennoch ist der Optionsschein am Ende das 10-fache wert! Auch im dritten Fall gibt es nur eine 10%-ige Steigerung im Vergleich zum zweiten Fall. Dennoch ist der innere Wert des Optionsscheins doppelt so hoch.

Was wir noch daraus lernen: Der Hebel muss sich ständig verändern, je nachdem wo der Aktienkurs steht. Denn in einem Fall führt ein 10% höherer Aktienkurs zu einer Verzehnfachung des Scheins, im anderen Fall nur noch zu einer Verdopplung.

Wann verfällt ein Optionsschein wertlos?

Wann verfällt ein Optionsschein wertlos? Anhand dieser Beispiele ist dies einfach zu beantworten: Immer dann, wenn der Aktienkurs am Verfallstag gleich oder kleiner dem Basispreis ist. Im Gegensatz zu Knock Outs haben klassische Optionsscheine die schöne Eigenschaft, dass sie vor dem Fälligkeitstemin nie wertlos verfallen können. Selbst wenn der Preis der Henkel-Aktie morgen auf theoretische 1€ fallen würde und sich bis zum Abrechnungstermin wieder auf 100€ erholt, bekommen Sie immer noch die gleichen 10€ gutgeschrieben, während ein Knock Out längst wertlos verfallen wäre.

Klar ist jedoch, dass Sie keinen vernünftigen Preis mehr für einen Optionsschein erzielen können, wenn der aktuelle Kurs des Basiswerts zu weit unterhalb des Basispreises notiert. Dies ist der Grund, warum wir frühzeitig die Notbremse ziehen und einen Optionsschein auf einen Trendfolger schon relativ früh verkaufen, sobald er seinen Aufwärtstrendkanal verlässt.

Ein Beispiel: Die Volkswagen Vorzugsaktie stand vor dem Abgasskandal bei ca. 260€ im Höchststand. Hätten Sie in der Erwartung auf steigende Kurse damals einen Optionsschein mit Basis 300€ und Laufzeit Dezember 2016 gekauft, dann wird für diesen Schein vom Emittenten nur noch ein Rücknahmekurs von 0,001€ gestellt. Denn aktuell notiert die Aktie bei ca. 100€ und es wäre aus heutiger Sicht einfach zu utopisch, dass dieser Schein noch ins Geld kommt, also am Verfallstermin noch einen Erlös erzielt. Dennoch: Als Zockerposition könnte dieser Schein in Ihrem Depot verbleiben und falls Volkswagen Vz. wider Erwarten im Dezember oberhalb von 300€ notiert, würde der Optionsschein nicht wertlos verfallen.

Im Geld, am Geld, aus dem Geld

Manchmal hören Sie im Zusammenhang mit Optionsscheinen die Ausdrücke im Geld, am Geld und aus dem Geld. Diese sind sehr einfach zu interpretieren: Ein Optionsschein ist im Geld, wenn der Aktienkurs über dem Basispreis liegt, der innere Wert eines Optionsscheins also positiv ist. Er ist am Geld, wenn der innere Wert in etwa gleich Null ist, Aktienkurs und Basispreis also identisch sind. Und er ist aus dem Geld, wenn der Aktienkurs aktuell noch unterhalb des Basispreises liegt.

Immer dann, wenn ein Optionsschein nicht im Geld ist, besteht der Preis des Optionsscheins ausschließlich aus Zeitwert. Sie bezahlen also für die Chance, dass der Optionsschein durch Kurssteigerungen am Abrechnungstag einen Erlös erzielt. Und das ist bei unseren Trendfolgern, die ja immer wieder neue Höchstständ ausbilden, auch sehr wahrscheinlich, wenn der Optionsschein von Basispreis und Laufzeit her richtig ausgewält ist.

Hier können Sie weitere Infos lesen, wie Sie passende Optionsscheine finden.

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