Faktorzertifikate

Faktorzertifikate – Begleiter mit konstanter Hebelwirkung

Faktorzertifikate sind neben klassischen Optionsscheinen und Knock-Outs eine weitere Möglichkeit, Aktien und Basiswerte gehebelt zu begleiten.

Ein Faktorzertifikat bildet den Gewinn oder Verlust des Basiswerts mit einem konstanten Faktor ab.
Dazu ein einfaches Beispiel:

Ein Faktorzertifikat bildet den Gewinn oder Verlust des Basiswerts mit einem konstanten Faktor ab.
Dazu ein einfaches Beispiel: Sie kaufen ein Faktor-4-Zertifikat auf Apple.
Gewinnt die Apple-Aktie heute 1 % hinzu, so steht das Faktorzertifikat zum heutigen Handelsschluss 4 % höher als gestern.
Gewinnt Apple heute 10 %, legt das Faktorzertifikat 40 % zu.
Verliert Apple dagegen heute 5 %, dann müssen Sie einen Verlust von 20 % im Zertifikat akzeptieren.

Faktorzertifikate funktionieren wie Knock-Outs mit ständig angepassten Basispreisen

Morgen geht das Spiel von vorne los. Der Hebel bleibt konstant.
Das wird wie folgt erreicht: Ein Faktorzertifikat ist eigentlich ein Knock-Out, dessen Basispreis an jedem Tag nach Handelsschluss neu berechnet und so angepasst wird.
Diese Anpassung erfolgt so, dass Sie morgen wieder den gleichen Hebel bekommen wie gestern oder heute.

Der konstante Hebel eines Faktorzertifikats hat Vor- und Nachteile: Er führt zu einer erstaunlichen Wertentwicklung, wenn der Basiswert ohne größere Schwankungen immer weiter steigt.
Wir sehen dann eine fast exponentielle Entwicklung mit hoher Wachstumsgeschwindigkeit.
Hierzu ein Beispiel: Ein Jahr hat etwa 256 Handelstage. Würde ein Basiswert bei 100 Euro starten und täglich um 1 % steigen, würde die Aktie sich im Lauf des Jahres mehr als verzwölffachen und am Jahresende bei etwa 1.277 Euro stehen.
Ein Faktor-4-Zertifikat würde in der gleichen Zeit von 100 Euro auf knapp 2,3 Millionen Euro steigen. Das bewirkt der Zinseszinseffekt.

Natürlich ist das ein Extrembeispiel, das so in der Praxis nicht auftritt, denn keine Aktie steigt ohne Schwankungen einfach immer weiter.
Aber es verdeutlich die Funktionsweise und das gewaltige Potenzial, das Faktorzertifikate haben, wenn Aktien relativ konstant steigen.

Gewinne und Verluste von Faktorzertifikaten potenzieren sich schnell

Wo Chancen sind, sind an der Börse immer auch Risiken: Natürlich gilt diese Rechnung auch nach unten: Verliert der Basiswert konstant, potenzieren sich auch die Verluste von Faktorzertifikaten sehr schnell.

Schwankungen bremsen die Performance eines Faktorzertifikats.
Je stärker die Schwankungen sind, desto mehr verlieren Faktorzertifikate.

Auch hierzu ein extremes Beispiel:
Wieder starten Basiswert und Faktorzertifikat mit einem Wert von jeweils 100 Euro in den Handelstag.
Dann kommt es zu einem Blitzcrash, der den Kurs des Basiswerts zum Handelsschluss um 20 % in den Keller drückt.
Dieser Rückgang wird im Faktorzertifikat mit Faktor 4 abgerechnet, macht einen Verlust von 80 %.
Am Ende des Handelstages stehen der Basiswert bei 80 Euro und das Faktorzertifikat bei 20 Euro.

Am kommenden Tag löst sich der Crash in Wohlgefallen auf: Der Basiswert steigt wieder auf 100 Euro.
Dafür ist ausgehend vom Schlusskurs des Vortages von 80 Euro eine Wertsteigerung um 25 % nötig.
Hervorragend auch für unser Faktorzertifikat, oder?
Denn das legt mit Faktor 4 ja um glatte 100 % zu.

Leider aber nur ausgehend vom Schlusskurs des Vortages. Es steigt dann gerade mal von 20 Euro auf 40 Euro.
Nach einem solchen Handelsverlauf hätte unser Faktorzertifikat satte 60 % verloren, obwohl der Basiswert unverändert notiert.
Auch dies ist natürlich ein Extrembeispiel, das praktisch so kaum vorkommt.

Faktorzertifikate: Keine Knock-Outs, keine Laufzeitbegrenzung

Faktorzertifikate kennen weder einen Knock-Out noch eine Laufzeitbegrenzung. Das ist ein großer Vorteil.
Verliert der Basiswert an einem Tag extrem an Wert, gibt es jedoch einen sogenannten Reset.
Dann wird der Basispreis untertags angepasst und der weitere Gewinn oder Verlust vom tieferen Niveau aus berechnet.
Das ist nötig, weil beispielsweise bei einem Verlust von 25 % ein Faktor-4-Zertifikat ansonsten wertlos wäre.

Faktorzertifikate bieten unheimliche Chancen, aber auch Risiken.
Zwar laufen sie endlos und kennen keinen Knock-Out.
Realistisch betrachtet wird ein Faktorzertifikat, das einmal 90 % oder mehr verloren hat, diesen Verlust nur sehr schwer wieder aufholen können.

Mein Tipp deshalb:
Kaufen Sie Faktorzertifikate mit relativ kleinen Hebeln, zum Beispiel 3 oder 4.
Wenn Sie sehr aggressiv spekulieren wollen, vielleicht auch einmal Hebel 5.
Lassen Sie aber die Finger von sehr hoch gehebelten Faktorzertifikaten mit Hebeln von 10 oder mehr.

Passende Faktorzertifikate finden Sie zum Beispiel in der Onvista Derivatesuche.