Spread

Der Spread bei Optionsscheinen

Als Spread bezeichnet man die Spanne zwischen Geld- und Briefkurs, also zwischen dem Ankaufs- und Verkaufspreis eines Wertpapiers an der Börse oder im Direkthandel mit dem Emittenten. Wenn Sie einen Optionsschein auf einer Finanzplattform wie der Homepage der Börse Stuttgart aufrufen, dann finden Sie dort einen niedrigeren Geldkurs und einen höheren Briefkurs.

Wenn Sie den Schein kaufen, zahlen Sie den höheren Briefkurs, beim Verkauf bekommen Sie den niedrigeren Geldkurs. Typischerweise könnte zum Beispiel der Geldkurs bei 2,10€ und der Briefkurs bei 2,14€ liegen. Würden Sie also 1000 Stück dieses Optionsscheins kaufen und sofort wieder verkaufen, dann würden Sie (ohne Berücksichtigung von Handelsgebühren) 2140€ beim Kauf bezahlen und 2100€ beim Verkauf erlösen. Sie hätten einen Verlust von 40€ plus Handelsgebühren erzielt. Dies ist Teil der Marge der Emittenten, die die Scheine auflegen.

Um überhaupt in den neutralen Bereich zu kommen, müsste der Schein also bereits um 0,04€ steigen, in etwa 2%. Für einen Optionsschein ist das nicht viel. Dennoch ist es offensichtlich, dass eine hohe Differenz zwischen den beiden Kursen für den Käufer eines Wertpapiers im Vergleich zu einem engeren Spread von Nachteil ist.

Warum gibt es unterschiedlich hohe Spreads?

Der Spread ist nicht bei jedem Wertpapier gleich und auch beim gleichen Wertpapier kann er sich innerhalb eines Tages verändern. Bei Optionsscheinen und Knock Outs ist die Liquidität so gering, dass Geld- und Briefkurs sowohl an den Börsen als auch im Direkthandel fast immer vom Emittenten selbst gestellt wird. Dazu wird der Emittent von den Börsen verpflichtet, um für ausreichend Liquidität im Handel zu sorgen und sicherzustellen, dass Sie die gewünschten Derivate jederzeit kaufen und verkaufen können (den Sonderfall, dass ein Schein oder Zertifikat nicht mehr länger angeboten wird und nur noch ein Kurs für den Rückkauf gestellt wird, möchten wir heute außer Acht lassen). Der Emittent legt somit in den meisten Fällen auch den Spread selbst fest .

Dass Spreads sich ändern, ist jedoch keine Willkür des Emittenten. Es liegt vielmehr an Faktoren wie der Liquidität des Basiswerts oder der Volatilität des Markts. Üblicherweise möchte ein Emittent nicht als Ihr Gegenspieler auftreten und darauf wetten, ob der von Ihnen gekaufte Schein im Wert fällt oder steigt. Er baut vielmehr Absicherungsgeschäfte über die Terminmärkte – in der Regel über Optionen und Futures – auf, um die Position für ihn marktneutral zu gestalten und eine Gewinnmarge sowohl zu erzielen, wenn der Basiswert steigt als auch wenn der Basiswert fällt. Solche Absicherungen lassen sich relativ leicht bei liquiden Werten wie dem DAX-Index oder viel gehandelten Aktien aufbauen. Bei kleinen Werten oder auch bei amerikanischen Aktien außerhalb der Zeiten des US-Börsenhandels wird dies schwieriger. Dem trägt der Emittent mit einer Ausweitung des Spreads Rechnung. Auch durch eine extrem hohe Intraday-Volatilität kann der Spread sich ausweiten, denn auch dann wird es schwieriger, solche Absicherungsgeschäfte zu vernünftigen Konditionen zu tätigen.

Achten Sie auf die Handelszeiten des Basiswerts

Im normalen Marktumfeld gilt jedoch die Faustregel: Je liquider ein Titel ist, desto geringer kann der Spread sein. Deutsche Titel sind am liquidesten zu den XETRA-Handelszeiten zwischen 9:00 Uhr und 17:30 Uhr. Amerikanische Aktien sind am liquidesten während der Handeslzeiten der New Yorker Börse zwischen 15:30 Uhr und 22:00 Uhr. Zu diesen Zeiten werden Sie den engsten und fairsten Spread bekommen. Manchmal finden sich auch außerhalb dieser Zeiten Wertpapiere mit engem Spread. Das sind dann meistens Optionsscheine auf sehr große Aktien mit einer hohen Liquidität.

Pauschal gilt: Wenn es zwei vergleichbare Derivate auf Trendfolger gibt, die ansonsten ähnliche Kennzahlen, aber einen unterschiedlichen Spread haben, dann empfehle ich Ihnen immer das Papier mit dem engeren Spread.

Der homogenisierte Spread

Auf den ersten Blick sieht vielleicht ein Optionsschein mit der Spanne 0,47/0,48 attraktiver aus als ein Schein mit der Spanne 4,72/4,77. Immerhin hat der erstgenannte nur 0,01€ Spread, der zweitgenannte dagegen 0,05€. Tatsächlich ist der Spread beim erstgenannten Schein doppelt so hoch wie beim zweitgenannten, weil das Bezugsverhältnis 0,1 anstatt 1 beträgt. Um in gleicher Weise an der Wertentwicklung des Basiswerts zu partizipieren, müssten Sie also 10 Scheine kaufen und hätten dann eine Spanne von 4,70/4,80, also deutlich schlechter als 4,72/4,77.

Der prozentuale Spread

Noch besser ist es, den prozentualen Spread zu betrachten. Er zeigt den Spread im Vergleich zu den aktuellen Kursen an und sagt Ihnen, wieviel Prozent Ihr Optionsschein erst einmal aufholen muss, um überhaupt erst einmal den Spread auszugleichen. Den prozentualen Spread finden Sie z.B. in der Optionsschein-Suche der Finanzplattform Ariva.

Ein enger Spread schützt vor unfairen Kursstellungen

Ist der Spread eng, dann kann ein Emittent nur schwer unfaire Kurse stellen. Stellt er bei einem engen Spread die Kurse zu niedrig, wäre dies zwar nachteilig für die Verkäufer eines Scheins, dafür könnten aber auch Käufer zu den günstigen Kursen zuschlagen. Umgekehrt gilt: Wenn der Emittent einen Optionsschein zu teuer anbietet, wäre dies zwar für die Käufer von Nachteil, dafür könnten die bestehenden Besitzer des Scheins aber diesen ebenfalls zu den höheren Kursen verkaufen. An solchen Konstellationen hat ein Emittent kein Interesse.

Unfair wird es deshalb nur, wenn der Spread sich ohne Grund ausweitet, also ein sehr niedriger Verkaufskurs und ein sehr hoher Kaufkurs gestellt wird. Sollten Sie den Verdacht haben, hier benachteiligt worden zu sein, dann können Sie von der Börsenaufsicht die Transaktion überprüfen lassen. Käufe zum Marktpreis, bei denen Sie den Spread direkt sehen und einen fairen Kurs gestellt bekommen, können Sie deshalb bedenkenlos im Direkthandel mit dem Emittenten ausführen, um Gebühren zu sparen. Limit- und Stop-Order platzieren wir dagegen immer an den Börsen Stuttgart oder Frankfurt, um eine Handelsüberwachung zu haben (siehe auch die Wochenanalyse zum Thema Handelsplätze vom 7.10.2015).

Fazit Spreads

Der Spread ist Teil der Marge der Emittenten. Für uns als Käufer von Optionsscheinen und Knock Outs ist ein enger Spread, also eine kleine Differenz zwischen Geld- und Briefkurs ideal. Finden Sie also Optionnscheine mit einem möglichst engen Spread. Dabei ist der homogenisierte oder prozentuale Spread die ausschlaggebende Größe. Der Spread kann je nach Liquidität des Basiswerts unterschiedlich ausfallen – das gilt sowohl für den Vergleich zweier Scheine mit unterschiedlichen Basiswerten als auch innerhalb eines Handelstages beim gleichen Schein. Den besten Spread erhalten Sie in der Regel während der Handeslzeiten der jeweiligen Heimatbörse des Basiswerts.

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